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Selbsteinschätzung

Das Vorstellungsgespräch vorbereiten

Die "Weichensteller"

Persönlichkeit, Leistungsmotivation, Kompetenz - dies sind die drei Schlüsselwörter für den Erfolg im Vorstellungsgespräch. Letzten Endes ist es nichts anderes als ein Verkaufsgespräch: Sie bieten Ihre Arbeitskraft an, Ihr Gesprächspartner entscheidet, welchen Vorteil er davon hat, wenn er Sie als Mitarbeiter gewinnt.

Entscheidend ist also vor allem, wie gut Sie es verstehen, Ihr Gegenüber von Ihren Kompetenzen zu überzeugen, und erst in zweiter Linie, wie überzeugt Sie selbst von Ihren Leistungen und Ihrer Leistungsfähigkeit sind. Es empfiehlt sich, wenn Sie Ihre Selbsteinschätzung in drei Schritten vornehmen:

1. Was können Sie anbieten?

Als Erstes sollten Sie sich einen Überblick über die Qualifikationen verschaffen, die Sie bis dato haben. Nehmen Sie hierzu eine chronologische Auflistung Ihrer beruflichen Stationen vor, und notieren Sie zu jeder beruflichen Station die wichtigsten Tätigkeiten und Aufgaben, die Sie bewältigt haben. Listen Sie zu jeder Station auch persönliche Fähigkeiten und Kenntnisse auf, die Sie sich angeeignet haben (z.B. auf Fortbildungen oder im Selbststudium) und/oder anwenden konnten.

Sie haben nun ein Bild Ihrer persönlichen Qualifikationen. Betrachten Sie diese nun unter dem Gesichtspunkt, ob und in wie weit sie für Ihren künftigen Arbeitgeber interessant sind. Was muss Ihr Gesprächspartner wissen, um sich für Sie zu entscheiden? Hierbei sollten Sie die Informationen zur Hand nehmen, die Sie über Firma und Stelle gesammelt haben. Ordnen Sie dem Anforderungsprofil Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu, vor allem aber, wo Sie in den jeweiligen Punkten erfolgreich waren.

Und schließlich: Klopfen Sie Ihr außerberufliches Engagement und Weiterbildungen auf Kenntnisse und Fertigkeiten ab, die Sie in die Waagschale werfen können (z.B. einen Computerkurs; als Vereinsvorsitzender: Führungserfahrung; Sportverein: Teamgeist).

Diese Bestandsaufnahme bringt Sie entscheidend voran: Sie wissen nun, was Sie zu bieten haben, und können dies mit konkreten Beispielen belegen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Ihre Argumentation mit Ihren Bewerbungsunterlagen übereinstimmt: Abweichungen fallen auf und führen zu unangenehmen Nachfragen.

2. Was wollen Sie erreichen?

Gehen Sie anhand Ihrer Liste Ihre bisherigen Stationen noch einmal durch. Fragen Sie sich nun: Was hat Ihnen bisher gefallen, was hat Ihnen missfallen? Das Ergebnis wird Ihnen dabei helfen herauszufinden, was Sie von Ihrer nächsten Stelle erwarten.

Sortieren Sie Ihre Erwartungen unter drei Aspekten: Was muss die neue Stelle unbedingt bieten? Was ist wünschenswert, aber nicht notwendig? Was akzeptieren Sie auf gar keinen Fall? Dies führt Sie zur entscheidenden abschließenden Frage: Welche beruflichen Ziele verbinden Sie mit der neuen Stelle?

Nun sind Sie einen weiteren wichtigen Schritt voran gekommen: Sie wissen nicht nur, was Sie zu bieten haben, sondern auch, wo Sie mit Ihren Fähigkeiten hinwollen, können jetzt im Gespräch also jederzeit über Ihre beruflichen Ziele Auskunft geben. Mit einem Wort: Sie haben Klarheit über Ihren beruflichen Standort.

3. Wo liegen Ihre Schwächen?

Es wäre ja schön, wenn es den hundertprozentigen Lebenslauf gäbe. Aber schon ein einfacher Stellenwechsel oder, umgekehrt, gar kein Stellenwechsel führt zu Nachfragen: Im ersten Fall, ob und/oder wo Sie Fehler gemacht haben, im zweiten Falle, ob Sie vielleicht zu wenig Ehrgeiz hätten, beruflich weiterzukommen.

Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass Ihre Schwachstellen einer Einstellung nicht im Wege stehen - schließlich hat man Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Allerdings müssen Sie Fehler und Schwächen überzeugend erklären und entkräften können. Dazu ist es unabdingbar, dass Sie Ihren beruflichen Werdegang und Ihre derzeitigen Kenntnisse auf folgende Punkte hin untersuchen: Welche Defizite haben Sie hinsichtlich der zu besetzenden Stelle? Und: Welche Punkte Ihres Lebenslaufes könnten erklärungsbedürftig erscheinen?

Folgende Strategien haben sich im Umgang mit persönlichen Schwachstellen bewährt:

Nennen Sie objektive Gründe: Plausible Gründe, z.B. für lange Studienzeiten, sind z.B.: Verdienst des Lebensunterhalts oder Pflege eines kranken Familienmitgliedes. Betriebsauflösung oder Rationalisierung ist eine einleuchtende Erklärung für Arbeitslosigkeit.

Betonen Sie Positives: Wenn Sie z.B. derzeit ohne Beschäftigung sind, stellen Sie heraus, dass Sie die Zeit nutzen, um sich gezielt weiterzubilden.

Stellen Sie alternative Stärken heraus: Defizite verlieren nämlich an Bedeutung, wenn Sie besondere Stärken ins Feld führen können. Besteht z.B. Skepsis wegen Ihres Alters, stellen Sie konkrete Erfahrungen und Berufspraxis heraus, die für die angestrebte Stelle besonders wichtig sind.

Bieten Sie einen konkreten Ausgleich an: Wenn Sie bestimmte Kenntnisse nicht haben, wird es besonders positiv aufgenommen, wenn Sie zeigen, dass Sie bereits konkrete Schritte eingeleitet haben, diese auszugleichen, z.B. indem Sie sich für einen Abendkurs angemeldet haben.

Werten Sie Fehler als Erfahrung: Wenn Sie zu einer Fehlentscheidung stehen, nehmen Sie Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln. Dies gelingt allerdings nur, wenn Sie zugleich deutlich machen, dass und wie Sie aus Fehlern gelernt haben.

Fazit:

Sorgen Sie für ein vorteilhaftes Gleichgewicht. Täuschen Sie keine falschen Tatsachen vor, binden Sie Ihrem Gesprächspartner aber auch nicht jede Schwäche auf die Nase. Setzen Sie sich mit Ihren schwächeren Bereichen in zweierlei Hinsicht auseinander: Wie können Sie Ihre Sicherheit und Überzeugungskraft im Gespräch erhöhen? Und: Wo und wie können Sie Schwachstellen in Eigenverantwortung ausgleichen, um Ihre beruflichen Ziele zu erreichen?

Die Chemie muss stimmen

Quelle: JOBworld