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Ausgewählte Befragertypen

Strategie und Taktik des Gesprächs

Typologie der Interviewer

Die folgenden Darstellungen sind mit Sicherheit überspitzt. Die Übertreibung ist in diesem Falle aber beabsichtigt, denn sie bringt grundsätzliche Verhaltensweisen auf den Punkt, auf die Sie sich einstellen können. Beachten Sie allerdings auch, dass die folgenden Typisierungen nur in den seltensten Fällen "in Reinkultur" auftreten. Meist werden Sie es mit einer Mischung zu tun haben, in der allerdings der eine oder andere Typ vorherrschend ist. Und vor allem: Keiner der hier Beschriebenen wird sich selbst so bezeichnen, auch wenn er ein solcher ist.

Der Neugierige

Dies ist ein Mensch, der alles ganz genau wissen will und der auch vor Ihrer Privatsphäre nicht halt macht. Mit Ihren ersten, oft auch mit Ihren ergänzenden Antworten wird er sich nur selten zufrieden geben, vor allem, wenn Sie "nur" persönliche Gründe anführen. - Hier müssen Sie bisweilen deutlich sagen, dass Sie sich nicht vorstellen können, was eine solche Frage mit der zu besetzenden Position zu tun hat. Neugierige akzeptieren solche Warnungen zumeist, vergessen sie allerdings bald wieder.

Der Zweifler

Zweiflern gegenüber müssen Sie auf der Hut sein: Sie leiden unter dem chronischen Verdacht, jeder Bewerber spiele ihnen eine Rolle vor und wolle ihn übers Ohr hauen. Vor allem an neuralgischen Punkten Ihres Lebenslaufes (lange Studienzeit, verschiedene Ausbildungen, Arbeitgeberwechsel) wird er Ihre Angaben bezweifeln und bohrend hinterfragen. Für Sie kann dies nur heißen: Bleiben Sie bei allem unbedingt bei der Wahrheit und hüten Sie sich vor allzu glanzvoller Selbstdarstellung. Versuchen Sie, Ihre Tonlage im mittleren Bereich zu halten, und weichen Sie häufiger in die untere, gewinnende, als in die obere Tonlage.

Der Wortkarge

Solche Gesprächspartner sind anstrengend, weil man bei ihnen das Gefühl nicht loswird, bei der Artikulation von Fragen ständig helfen zu müssen (Motto: Schafft er jetzt endlich einmal einen vollständigen Satz?). Das Schwierige ist hier vor allem: Sind die, oft quälend langen, Gesprächspausen eine Verunsicherungstechnik oder Unvermögen? Hier sind Sie gut beraten, wenn Sie, ohne aufdringlich zu wirken, die Gesprächsführung selbst in die Hand nehmen. Meist gelingt es Ihnen damit sogar, dass Ihr Gesprächpartner "auftaut".

Der Redselige

Das Gegenstück zum Wortkargen ist der Redselige. Dieser Typus tendiert sehr stark dazu, Selbstdarstellung zu treiben. Sie brauchen nur eine Frage zu stellen, schon fängt er an zu sprudeln und kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen - auch wenn das eigentliche Gesprächsziel, vor allem etwas über Sie als Bewerber zu erfahren, aus Sicht des Unternehmens verfehlt wird: Mit einem Redseligen haben Sie leichtes Spiel. An den richtigen Stellen nett gelächelt und zustimmend genickt, mit wenigen Fragen alles entlockt, was Sie über die Stelle wissen müssen, in Gesprächspausen auf Grund dieser Informationen selbst einmal Ihre passenden Fähigkeiten und Qualifikationen eingestreut, und Sie können davon ausgehen, einen blendenden Eindruck hinterlassen zu haben. Entdecken Sie dann noch ein gemeinsames Hobby, werden Sie erleben, wie dann plötzlich Ihnen Löcher in den Bauch gefragt werden.

Der Desinteressierte

Der für Sie gefährlichste Typ, weil er Sie bei allem, was Sie sagen, spüren lässt, wie wenig ihn dies interessiert. Es ist müßig zu fragen, warum so einer mit der Führung von Vorstellungsgesprächen betraut wird, ob er aufgrund seiner Funktion an der Entscheidung beteiligt ist, ob er in der Hierarchie so weit über Ihnen steht, dass es unter seiner Würde ist, mit Ihnen zu kommunizieren, oder ob er kurzfristig eingesprungen ist, weil der, der das Gespräch eigentlich mit Ihnen führen sollte, kurzfristig verhindert ist. Die einzige Chance, diese Mauer des Desinteresses zu durchbrechen, besteht für Sie, wenn überhaupt, durch gezieltes Fragen herauszufinden, worum es bei der zu besetzenden Position für Sie gehen wird, und zu versuchen, gezielt Ihre Fähigkeiten und Vorzüge ins Gespräch zu bringen. Ansonsten können Sie nur hoffen, dass es zu einem weiteren Gesprächstermin mit einem anderen Gesprächspartner kommt.

Der Orientierungslose

Solche Leute wissen nie so genau, worum es eigentlich geht, und verlassen sich daher lieber auf ihr Gefühl. Ihnen können Sie daher nicht mit Erklärungen oder Erläuterungen kommen. Geben Sie einem solchen Gesprächspartner lieber das Gefühl, dass Sie seine Orientierungslosigkeit nicht bemerken, und sorgen Sie dafür, daß ihm sympathisch werden. Dann nämlich können Sie sagen, was Sie wollen - Sie haben gewonnen.

Der Ungeübte ...

... hingegen hat Angst davor, Sie könnten an seiner Art, das Gespräch zu führen, bemerken, dass er in diesen Dingen unerfahren ist. Geben Sie diesem Menschen wiederholt positive Rückmeldungen und stärken Sie ihm den Rücken, indem Sie seine Nervosität ignorieren und zeigen, dass Sie ihn verstehen.

Der Entscheidungsschwache

Ein solcher Interviewer empfindet die Personalauswahl aufgrund von Risiken und Unwägbarkeiten aus enorme Belastung. Da man nie wissen kann, was einem ein Bewerber für Märchen auftischt, sammelt er Fakten wie Eichhörnchen, weil er stets das Gefühl hat, für eine entgültige Entscheidung fehlte noch diese oder jene Information. Gerade, weil es bei der Personalauswahl vor allem auf das eigene Urteil ankommt, tut sich der Entscheidungsschwache schwer.

Infolgedessen sind Sie gut beraten, wenn Sie Ihren Vortrag auf eine sachliche und nüchterne Darlegung von Fakten anlegen. Geben Sie ihm, was er von Ihnen will: Bieten Sie ihm freiwillig Referenzen oder Beurteilungen von früheren Arbeitgebern. Gerade weil Sie mit ständigem Nachhaken rechnen müssen, sollten Sie einen Gesprächsstil vermeiden, den Ihr Gegenüber als Erzählen werten kann.

Der Provokateur

Bei diesem Typus wird das gesamte Gespräch zum Stressinterview. Sie aus der Fassung zu bringen, ist sein erklärtes Ziel. Reagieren Sie spontan beleidigt, werden Sie ebenso spontan fallen gelassen. Sie haben nur dann eine Chance, wenn Sie souverän bleiben, vielleicht auch einmal provokativ oder arrogant reagieren. Manchmal hilft auch eine Gegenfrage (Beispiel: Sie haben so lange studiert, sind Sie ein Faulpelz? - Wenn Sie mir sagen, was Sie unter Faulpelz verstehen, kann ich Ihnen vielleicht darauf antworten!). Provokateure überschreiten auch oft Ihre Grenzen. Dann sind Sie berechtigt, sich zu wehren: Manchmal bringt erst ein gerader und gezielter "Schuss" Ihr Gegenüber zu der Einsicht, zu weit gegangen zu sein. Leider gibt es kein Patentrezept, die eigene Schmerzgrenze zu erhöhen. Es ist aber wichtig, sie zu kennen.

Der Gestresste

Diese Menschen leiten ihre Bedeutung aus der Hektik ab, die sie umgibt und die sie ausstrahlen. Stets von der Unfähigkeit anderer ausgehend, vermittlen sie den Eindruck, alles selbst machen zu müssen. Infolgedessen lassen sie sich, z.B. vom Telefon oder dem unerwarteten Erscheinen Dritter, grundsätzlich unterbrechen und scheinen unter dem Druck der Arbeit fast zusammenzubrechen - in Gestik und Mimik wirken sie wie "gehetzte Hunde". Sie sind gut beraten, wenn Sie im Gespräch mit diesem Typus bei jeder Unterbrechung demonstrativ aufhören zu reden. Nur so haben Sie eine Chance, dass ein Vertreter dieser Spezies weitere Störungen zu verhindern versucht.

Der Unnahbare ...

... legt verbal, nonverbal und räumlich zwischen sich und seine Gesprächspartner eine unüberwindliche Distanz. Verschanzt hinter einem riesigen Schreibtisch, verteidigt er sein Terrain. Ob seine Unnahbarkeit auf Unsicherheit und Ängsten oder auf überzeugter Gegnerschaft zu zwischenmenschlichen Kontakten beruht - als Bewerber sollten Sie unter gar keinen Umständen versuchen, diese Distanz zu verringern, indem Sie z.B. mit dem Stuhl näher heranrücken. Machen Sie stattdessen klar, dass Sie die Distanz respektieren und sich selbst in keiner Weise beeinträchtigt fühlen. "Schaffen" Sie ihn mit Respekt.

Der Überlegene ...

... "besticht" durch seine Eitelkeit und betreibt intensive Selbstdarstellung. Man gewinnt den Eindruck, sein Arbeitstag habe 36 Stunden und er trotzdem noch genügend Zeit, elitäre und aufwendige Hobbys zu betreiben. Im Gegensatz zum Gestressten hat er aber alles ganz locker im Griff, und ob Sie als künftiger Mitarbeiter jemals seine Höhen erreichen, steht mehr als dahin. Da sein Hauptproblem darin besteht, nur wenige ihm gemäße Gesprächspartner zu haben, sollten Sie ihm, je nachdem, wie risikobereit Sie sind, entweder massives Selbstbewusstsein und Stolz auf Ihre eigenen Leistungen entgegensetzen, oder aber Sie bestätigen seine absolute Überlegenheit und akzeptieren, zumindest vorläufig während der Probezeit, eine deutlich untergeordnete Rolle.

Der Motivierende

Eine solche Spezies ist nicht selten sozialwissenschaftlich vorgebildet. Als ein Menschenfreund aus Überzeugung, beherrscht er die wesentlichen Gesprächstechniken und leitet seine Sätze gerne mit "Wenn ich Sie richtig verstehe, dann meinen Sie ..." ein. Ebenso wird er niemals direkt sagen, "Sie haben mich nicht verstanden", sondern dies selbstbezüglich mit "Ich habe mich wahrscheinlich ungenau ausgedrückt" ausdrücken. Entsprechend wird er versuchen, auch noch das letzte Quäntchen an Fähigkeiten und Stärken aus Ihnen herauszuholen und Ihre Schwächen wird er mit Sprüchen wie "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen" und "Gemeinsam werden wir es schon schaffen" zu deckeln.

Vor allem der "Jargon" dieser Leute kann einem ziemlich auf die Nerven gehen. Lassen Sie sich dies aber auf gar keinen Fall anmerken. Führen Sie sich vor Augen, dass es schier unmöglich ist, einen grundlegend schlechten Eindruck zu hinterlassen, weil alles, was Sie sagen, auf verständnisvolle Ohren trifft. Entsprechend schwer ist es, den Erfolg eines solchen Gesprächs einzuschätzen. Grundregel: Lassen Sie sich nicht zum Plauderton verführen, bleiben Sie bei der grundsätzlichen Linie, in erster Linie Ihre Stärken herauszustellen. Und: Hüten Sie sich, seinen Jargon zu "parodieren", auch wenn die Versuchung noch so groß ist.

Der Charmeur

(Meist ist es ein Mann) Läuft immer dann zur Hochform auf, wenn er es mit weiblichen Bewerbern zu tun hat. Sehen beide auch noch gut aus, ist eine ganz andere Gesprächsebene vorprogrammiert als die eigentliche: weniger in Form von "unsittlichen Angeboten", als vielmehr im gegenseitigen Austausch von Komplimenten. Aus einem solchen Kreuzfeuer von Charme und Witz kann Frau sich im Grunde nur dadurch befreien, sich höflich und liebenswürdig für die Komplimente und die Freundlichkeit zu bedanken und dann das Bedürfnis zum Ausdruck zu bringen, nun zu den Sachthemen zu kommen.

Der Liebenswürdige

Er vereint die Züge des Charmeurs und des motivierenden Typs. Seine Kennzeichen sind gute Manieren, Menschenfreundlichkeit und gute Laune; Ärger oder Unzufriedenheit hält man bei ihm schlichtweg schon gar nicht mehr für möglich. Der "Liebenswürdige" hat eine ausgesprochene, fast physische Aversion gegen gereizte Untertöne: beim geringsten Anzeichen für solche ist es mit seiner Liebenswürdigkeit schlagartig vorbei und der Beweis erbracht, dass Sie nicht ins Team passen. Für Sie ist hier eine motiviert-positive Grundhaltung besonders wichtig.

Quelle: JOBworld